Unter den edelsten und ikonischsten Getränken Vietnams ragt der Vietnamesische Lotustee als seltene Spezialität heraus, die Eleganz, Geduld und die Zartheit der vietnamesischen Seele verkörpert. Von den Lotusblüten, die im Morgengrauen erblühen, bis hin zur sorgfältigen Handarbeit erzählt jede Tasse Lotustee eine Geschichte von Geduld, Ehrfurcht und Liebe zur Schönheit des Landes. Lassen Sie uns die Geheimnisse hinter diesem kostbaren Tee entdecken, bei dem sich der feine Lotusduft mit der sanften Herbheit des Grüntees zu einem unvergesslichen Geschmackserlebnis vereint.
Ein kulturelles Erbe mit historischen Wurzeln
Die Tradition des Lotustees reicht mehrere Jahrhunderte zurück, in die Zeit der vietnamesischen Dynastien, als lotusduftender Tee der Elite vorbehalten war – insbesondere Gelehrten und dem Königshof. Kaiser Tu Duc der Nguyen-Dynastie (19. Jahrhundert) war bekannt für seine Leidenschaft für diesen Aufguss, den er bei Tagesanbruch an einem Lotusteich genoss.
Damals schätzte man den Vietnamesischen Lotustee nicht nur wegen seines feinen Geschmacks, sondern auch wegen seiner philosophischen Dimension: Er verkörperte die Harmonie zwischen Mensch und Natur, die Reinheit des Geistes und die vergängliche Schönheit des Augenblicks.
Wie Vietnamesischer Lotustee hergestellt wird
Beduftung des Lotustees mit Staubgefäßen
Das Besondere am Vietnamesischen Lotustee ist die außerordentliche Sorgfalt bei der Zubereitung. Es geht nicht einfach darum, Teeblätter mit Lotusblüten zu mischen, sondern darum, deren florales Aroma auf natürliche Weise einziehen zu lassen. Die traditionellen Schritte, die noch heute in Hanoi und einigen nördlichen Provinzen praktiziert werden, sind:
Teewahl: Verwendet wird hochwertiger junger Grüntee, meist aus den nördlichen Bergen (z. B. Thai Nguyen).
Lotusblütenernte: Die Blüten werden im Morgengrauen gepflückt, wenn sie noch geschlossen sind und ihr Duft am intensivsten ist. Meist wird die heilige Lotusart (Nelumbo nucifera) mit ihren zarten rosa Blütenblättern verwendet.
Staubgefäße entnehmen: Der Duft konzentriert sich in den Staubgefäßen, die mühsam in großer Zahl von Hand entnommen werden.
Teeinfusion: Die Staubgefäße werden schichtweise mit dem Grüntee gelagert, dann ruht die Mischung mehrere Nächte in einem kühlen, trockenen Raum. Dieser Vorgang kann bis zu sieben Mal wiederholt werden, um ein tiefes, feines Aroma zu erzielen.
Endgültiges Sieben: Nach der Infusion wird der Tee sorgfältig gesiebt, um die Staubgefäße zu entfernen, sodass nur die aromatisierten Blätter übrigbleiben.
Lotusblumen ernten
Entfernen Sie die Staubblätter vorsichtig
Die Herstellung kann 10 bis 15 Tage dauern, und es braucht fast 1.000 Lotusblüten, um nur ein Kilogramm Premiumtee zu gewinnen!
Schnelle Beduftung mit frischen Lotusblüten
Neben der traditionellen Aufgussmethode gibt es auch eine schnellere und einfachere Methode. Bei dieser Technik wird der grüne Tee aromatisiert, indem er für kurze Zeit direkt in frische Lotusblüten gelegt wird.
Hier sind die Schritte:
Lotusblüten ernten: Früh am Morgen pflücken, wenn der Duft am stärksten ist. Die Blüten sollten noch geschlossen oder nur leicht geöffnet sein.
Tee einlegen: Die Blütenblätter vorsichtig öffnen, ohne sie abzutrennen. 10–15 g trockenen Tee ins Herz der Blüte nahe der Staubgefäße geben. Blütenblätter vorsichtig schließen und mit einer weichen Schnur oder einem Lotusblattstreifen binden.
Mazerieren: Die gefüllte Blüte in einen Papierbeutel oder luftdichten Behälter legen und 12–24 Stunden in einem kühlen, trockenen Raum oder im Kühlschrank ziehen lassen.
Tee entnehmen: Den Tee anschließend aus der Blüte nehmen, einige Stunden an der Luft leicht antrocknen lassen und in einem luftdichten Behälter lagern.
Der einzigartige Geschmack und Duft des Vietnamesischen Lotustees
Das Ergebnis ist ein Tee mit weichem, blumigem und leicht süßem Aroma, das nicht aufdringlich wirkt. Beim Aufgießen steigt ein feiner Duft auf, der an neblige Morgen an Lotusteichen erinnert.
Am Gaumen ist der Tee subtil und leicht pflanzlich, mit einem floralen Abgang. Er hinterlässt weder Bitterkeit noch starke Adstringenz, sondern ein Gefühl von Ruhe und Reinheit.
Ein Ritual des Genusses
In Vietnam ist der Genuss von Lotustee – trà sen – oft mit Momenten der Ruhe, Meditation oder des Teilens verbunden. Er wird Gästen angeboten, um Gastfreundschaft und Respekt zu zeigen. Häufig wird er auch bei Zeremonien, traditionellen Festen oder im Familienkreis serviert.
Der Tee wird mit Sorgfalt zubereitet: kleine Porzellantassen, eine Teekanne aus Terrakotta und Wasser mit der richtigen Temperatur (ca. 80 °C). Die Bewegungen sind langsam, fast zeremoniell. Der Tee wird in kleinen Schlucken genossen, um jede Nuance zu würdigen.
Gesundheitliche Vorteile des Lotustees
Beruhigende Wirkung: Hilft, das Nervensystem zu entspannen und fördert erholsamen Schlaf.
Bessere Konzentration: Durch den geringen Koffeingehalt anregend, ohne zu überreizen.
Reich an Antioxidantien: Die Kombination aus Grüntee und Lotus ist reich an Polyphenolen, die gut für Haut und Herz sind.
Sanfte Entgiftung: Unterstützt die Verdauung und hilft beim Ausleiten von Toxinen.
Sinkende Produktion, aber bewahrt
Trotz seiner Raffinesse wird der Lotustee immer seltener. Die zeit- und arbeitsintensive Herstellung sowie der Bedarf an frischen Blüten machen ihn zu einem Luxusprodukt.
In Hanoi ist das Dorf Quang An am Westsee einer der wenigen Orte, an dem diese Tradition noch lebt. Jeden Sommer pflücken Handwerker im Morgengrauen die Lotusblüten. Einige pflegen noch das poetische Ritual, den Tee über Nacht in frisch geschnittene Blüten zu legen, damit er ihren Duft aufnimmt – eine Praxis, die zunehmend geheim gehalten wird.
Zum Glück entstehen angesichts des wachsenden Interesses an authentischen Produkten lokale Initiativen, um dieses Handwerk zu bewahren: Genossenschaften, Teefeste und die Integration von trà sen in kulturelle Tourismusangebote.
Lotustee heute: zwischen Tradition und Moderne
Einst dem Königshof vorbehalten, ist der Lotustee heute für alle zugänglich. Man findet ihn in traditionellen Teehäusern, Fachgeschäften oder auf Kunsthandwerksmärkten. Er ist auch Teil luxuriöser Geschenksets, die besonders zum Tet-Fest beliebt sind.
Einige Produzenten entwickeln moderne Varianten: Teebeutel, Mischungen mit Lotus und Jasmin oder Bio-Aufgüsse für zeitgemäße Geschmäcker und internationale Märkte. Für wahre Kenner geht jedoch nichts über nach alter Tradition zubereiteten Lotustee – langsam und mit Leidenschaft – als echtes Zeugnis des immateriellen Erbes Vietnams.
Mehr als nur ein Getränk ist der Vietnamesische Lotustee ein sinnliches und spirituelles Erlebnis. Sein feiner Duft und die sorgfältige Zubereitung erzählen von einem Volk, das im Einklang mit der Natur lebt – einer Kultur der Langsamkeit, Achtsamkeit und Authentizität. Eine Tasse zu genießen heißt, sich eine poetische Pause zu gönnen, einen Moment zwischen Tradition und Emotion.
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